Kyushu …

… war für uns regelrechtes Neuland. Zwar waren wir schon öfter mit dem Zug vom Norden Richtung Süden gefahren, aber das Innere der südliche Hauptinsel hatten wir uns noch nicht angesehen. Und wir wurden luxuriös in Yufu-in begrüsst. Gleich auf dem Bahnhof gab es einen Ashi- Onsen, wo warmes Wasser aus dem vulkanischen Untergrund hochgeleitet wird und den geschundenen Füßen eine Labsal ist – selbst wenn man nicht gerade eine Wanderung, sondern nur ein Zugfahrt hinter sich hat. Also erstmal Gepäck beiseite und entspannen. Mit erholten Füßen ging es dann auf Erkundungstour ins Örtchen: Wollen wir nun lieber nach links oder nach rechts abbiegen? Unsere Wahl war goldrichtig. Was wir nicht wussten: Yufu-in ist der Touristenort der Gegend mit Heerscharen von Koreanern und Chinesen, die sich über die Einkaufsstraße zwängten. Durch unsere Zufallsentscheidung waren wir dorfauswärts unterwegs und konnten die Ruhe eines einsamen Tempels mit meterdicken Sicheltannen, die herrliche rote Blattfärbung des Spätherbstes und einen leckeren hausgemachten Curry-Reis geniessen.
Gegen Abend wurden wir dann abgeholt und es ging in die Berge. Das Kuju Kogen Cottage bot uns für einige Tagen Unterkunft: ein typisches Hotel mit heißen Bad und abendlichen Mehrgänge-Menu, wo man als Japaner für maximal zwei Tage bleibt. Entsprechend besorgt war das Hotelpersonal, als wird uns gleich für vier Tage einquartierten. Da könne sich doch die ein oder andere Köstlichkeit im Menu wiederholen … Wir konnten beruhigen, denn so einiges hätten wir gern mehrfach gehabt.
Als Kompensation hatten wir ein tägliches Wanderprogramm vorgesehen. Wie sich herausstellte mit einigen Überraschungen. So fiel uns gleich am ersten Abend auf, dass wir von einem Japaner besonders neugierig beachtet wurden. Wie sich herausstellte, ist er mit einer Deutschen verheiratet und die beiden lebten schon seit einigen Jahren in der Gegend. Gern sind wir zum Hausbesuch vorbeigekommen, um ein wenig über Gott und die Welt zu plaudern. Anderntags wollten wir ambitioniert einen alten Vulkan erklimmen, mussten jedoch aufgeben, als der Wanderweg vollends im Dickicht verschwand. Ein paar Pfunde sind trotzdem gepurzelt.
Grandios war der Blick von unserem Hotel Richtung Berg Aso, besonders bei Sonnenauf- und untergang. Das ist ja etwas, was wir in Norwegen vermissen. Hier nun konnten wir uns ein wenig sattsehen.

Susuki oder deutsch Chinaschilf




Ein paar Tage ferner Osten

Man könnte sagen “alle Jahre wieder” … Na gut, nicht wirklich jedes Jahr, aber immerhin jedes zweite oder dritte zieht es uns Richtung Japan. Und da die Reise ja per Land- und Wasserweg geht, passieren wir auch oft Wladiwostok im fernen Osten Russlands – sieben Zeitzonen und 9288 Schienenkilometer von Moskau entfernt. Normalerweise sind wir höchstens für einen Tag in der Stadt, um so schnell wie möglich das Schiff nach Japan zu nehmen, aber diesmal haben wir uns gleich ein paar Tage gegönnt, um ein wenig Sightseeing zu machen. Auf dem Programm stand zu allererst das Arseniev Museum, das eine ausgedehnte Sammlung über die Region Primorsky beherbergt. Es bietet einen Mix aus Stadtgeschichte und Regionalkultur. Dabei entdeckten wir eine Ausstellung über Eleonor Pray, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wladiwostok lebte und regelmässig Briefe an ihre Verwandten in den USA geschrieben hat. Lange schlummerten diese Zeitzeugnisse auf irgendeinem Dachboden und wären wohl irgendwann im Müll gelandet, wenn man nicht ihren historischen Wert erkannt hätte. Sie bieten heute Informationen aus erster Hand über das bunte Völkergemisch in den Jugendjahren der Stadt. Strandpromenade, ein Besuch im GUM Kaufhaus, das Sukhanov Museum und eine Kunstausstellung mit Bildern Karl Brjullows rundeten den Besuch ab. Erstaunliche Hinterlassenschaft eines APEC- Gipfels sind nicht nur die grossen Schrägseilbrücken, die ein wenig an San Francisco erinnern, sondern ein komplettes Konferenzzentrum nebst Hyatt-Hotel, das mittlerweile ungenutzt vor sich hinschlummert.Natürlich durften auch russiche Köstlichkeiten nicht fehlen, so Pelmeni, ein Tee-Restaurant, und die ein oder andere Stalowaja im Sowjet-Chik. Eine schöne Erinnerung bleibt der Blick von einem Panorama-Restaurant mit leckerem Pfefferwein und tollem Dessert. Nur mit dem Besuch der Amur-Tiger hat es nicht so recht geklappt. Aber es war ja auch wohl nicht das letzte Mal.

Altrussische Herrlichkeit – Stadtor


Ein weiter Weg:


9288 Schienenkilometer von Moskau

Der punktvolle Wartesaal des Bahnhofs

Waldimir Wyssozki

.. und auch Eleanor Pray hat mittlerweile ein Standbild.


na wo der wohl hinzeigt ?


Feiere hier mein Wanderstab.

Auf dem Weg nach Guben zur Hochzeit von Sue und Robert fanden wir in Mecklenburg dieses ungewöhnliche Denkmal. Auf dem einen Stein ist eigemeißelt:

FEIERE HIER MEIN WANDERSTAB. EINST IN DER FERNEN ALPENLAENDERN SCHOSSE
UNSTERBLICHER HOFFNUNG DA RUHE BALD AUCH ICH 1785 Graf Schlitz 1787

und über dem Wanderstab steht:

SEIN ZWEITES VATERLAND SUCHTE UND FAND ,
LEBTE HIER H.GRAF SCHLITZ A. PREUSSEN

Googelt man ein wenig, findet man heraus, dass wohl ursprünglich ein eiserner Wanderstab im Denkmal hing. Doch soll ein Schmied im Dorf ihn entnommen haben, so dass danach der heutige hölzerne Stab angebracht wurde.

Die Heimat der Wikingerkönige

So jedenfalls rühmt sich die Stadt Haugesund in ihrer Tourismuswerbung. Und da wir seit Anfang 2018 nun mit der dortigen Hochschule zu einer gemeinsamen Institution verschmolzen sind, war es an der Zeit, sich einmal dort umzusehen. Nun, wenn es nach den Denkmalen geht, hat die Werbung sicherlich recht. Etwas außerhalb der Stadt findet sich mit Haraldshaugen eine imposante Anlage, die an den ersten gemeinsamen König Harald Schönhaar erinnern soll. Und auch in Haugesund fanden wir eine Statue, bei der die Haarpracht dem Beinamen alle Ehre macht. Richtig ist wohl, das hier die ersten weitreichende politischen Gebilde entstanden, wohl auch, weil die Gegend relativ flach ist und somit bessere Voraussetzungen zur Entfaltung bietet als die engen Fjorde. Und richtig ist auch wohl, das Norwegen diesem Landstrich seinen Namen verdankt. Die vorgelagerte Meerenge soll im Mittelalter als Nord-Weg bekannt gewesen sein.
Seefahrt spielt hier immer noch eine große Rolle, wie ein Blick auf die Gullideckel zeigte.
Auf jeden Fall punktete Haugesund bei uns mit vielen Bronzestatuen, die in der ganzen Stadt verstreut waren.

Weiterfahrt nach Rom…

und die Sonne brannte tatsächlich noch … wie vorher in Jouques, Toulouse und Lissabon hatten wir auch hier gutes Wetter. Vier Tage lang sind wir durch die Stadt gestreift, haben die üblichen Sehenswürdigkeiten besucht und Stadtleben genossen. Am beeindruckensten war sicherlich die Via Appia Antica: immerhin 2300 Jahre altes Straßenpflaster, und nur wenige Touristen.

Peter und Emma ?

Jouques – wie Gott in Frankreich

Im November ist es in Norwegen grau, dunkel und verregnet. Sitzt man irgendwo zwischen hohen Bergen, dann sieht man manchmal die Sonne für mehrere Monate nicht. Ein guter Grund, Norwegen in dieser Zeit den Rücken zu kehren, am besten Richtung Süden, und zwar ganz weit nach Süden. Gesagt – getan und wir haben gleich das Angenehme mit dem Beruflichen verbunden und einen Besuch an der Baustelle des künftigen ITER-Experiments vereinbart. Dieser Fusionreaktor entsteht gerade in der Provence, im kleinen Dorf St-Paul-lez-Durance. Wir haben also auf gut Glück eine Unterkunft im Dorf Jouques gebucht, auf halbem Weg zwischen der ITER-Gelände und der Großstadt Aix-en-Provence, um Landschaft und Stadtleben gleichzeitig zu haben.
Jouques entpuppte sich als Glücksgriff: ein kleines Dörfchen mit gerade mal 4000 Einwohnern, einigen alten verwinkelten Gassen mit viel Geschichte, einer tollen Umgebung zum Wandern und allem, was dazugehört, wenn man wie Gott in Frankreich leben will. Mehrere Bäckereien, Konditoren und Fleischereien, dazu ein Geschäft mit Regionalwaren und jede Menge Weingüter in nächster Nähe. Und auch unsere Unterkunft toppte alle diese Vorzüge. Ein elsässer Ehepaar hatte beschlossen, näher bei den Kindern zu wohnen und eine alte Olivenölmühle renoviert, nebst einiger zusätzlicher Zimmer zur Vermietung. Mit viel Liebe zum Detail hatte man dem jahrhundertealten Gemäuer frischen Charme verliehen. Frühstück gab es im großen Mühlensaal mit einem langen Tisch an der einen Seite und einer alten Ölpresse an der anderen. Dazu ein großer Kamin, der abends zum gemütlichen Lesen oder Faulenzen einlud. Und ein bisschen Faulenzen haben wir uns in den 10 Tagen Jouques wirklich verdient. Die meisten Tage waren wir wandern. Morgens ging es los, immer in eine andere Himmelsrichtung und erst am späten Nachmittag waren wir wieder da. Danach dann schnell noch einige Köstlichkeiten eingekauft, um der Tag entspannt ausklingen zulassen. Ab und an haben wir aber auch die weitere Umgebung erkundet. So das Städtchen Grasse, weltberühmt für seine Parfumindustrie. Oder die Ockerminen im Norden. Und auf mancher Tour gas es einiges Überraschendes zu sehen: Platanenalleen, tiefe Schluchten, Lavendelfelder, Weinberge, viel Gebüsch, ein verwunschener Zedernwald oder die alte Abtei Silvacane. Da reichten 10 Tage bei weitem nicht, alles zu sehen, was man uns empfohlen hatte, so dass wir wohl wiederkommen müssen.

Der ITER und die Alpen